Die wohl meistverwendete Satzart
Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist leider selten anzutreffen, nämlich Flattersatz, der flattert.
Der Flattersatz ist die am häufigsten angewendete Satzart, denn sie wirkt im Gegensatz zum Blocksatz lebendig, leicht und weniger streng. Deshalb wird der Flattersatz bevorzugt für Headline, Textvorspann oder Kapitelüberschriften sowie für kürzere Lesetexte im Akzidenzsatz oder bei Werbetext verwendet.

Im Flattersatz wenden wir die Satzformen links- oder rechtsbündig (libü oder rebü) an, wobei wir der besseren Lesbarkeit wegen den linksbündigen Flattersatz bevorzugen. Rechtsbündiger Flattersatz verwenden wir als typografische Auszeichnungsform bei kürzeren Texten, z. B. Bei Marginaltext, Textvorspann oder Bildunterschriften, wenn die Texte vertikal an Bildern, Linien oder anderen grafischen Elementen ausgerichtet sind.

Flattersatz soll flattern
Die Annahme, dass ein schöner Flattersatz sich wie von selbst durch Voreinstellungen im Programm realisieren lässt, ist falsch. Genau wie beim Blocksatz benötigt auch der Flattersatz ein kritisches Auge und oft auch eine manuelle Nachbearbeitung. Die häufigsten Gründe dafür:

  • der Zeilenfall hat wenig Rhythmus, weil er aus ähnlich langen Zeilen besteht und somit eher wie Blocksatz aussieht,
  • der Zeilenfall bildet extreme Treppen oder Formen,
  • es entstehen sinnentstellende Silbentrennungen.

 

Auf die richtige Trennung kommt es an
Neben einem guten und abwechslungsreichen Zeilenfall haben sinnvolle Silbentrennungen Priorität. Nach dem Einfließen von Text sollte daher geprüft werden, ob die ausgeführte Silbentrennung korrekt und sinnvoll ist. Nicht nur bei einem prominenten Vorspanntext sollte dann manuell nachgearbeitet werden.

Im professionellen Flattersatz sind sinnvolle Trennungen und ein abwechslungsreicher Zeilenfall nach dem Prinzip »kurze – lange – mittellange Textzeile« ausgeführt und hat dabei dennoch eine gleichmäßig verlaufende rechte Satzkante, wie das untere Beispiel aus einem Reisekatalog zeigt.

Manuelle Trennungen und Voreinstellung Silbentrennung
Möchten Sie den Flattersatz manuell nachbearbeiten, so empfehle ich Ihnen, unter Schrift/Absatz den Adobe Ein-Zeilen-Setzer auszuwählen. Dieser bewirkt, daß keine Neuumbrüche im Satz entstehen, wenn Sie ein Wort umbrechen. Silbentrennungen sollten natürlich nur mit dem „bedingten Trennstrich“ durchgeführt werden, damit bei der Rückführung einer Trennung kein Divis stehen bleibt.
Für ein ausgeglichenes Satzbild im Lese- oder Absatztext beim Flattersatz empfehle ich, in der Voreinstellung die Silbentrennung ein wenig zu variieren. Dazu mehr in meinen TypeSCHOOL-Workshops.

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Mein Praxis-Tipp für den Flattersatz:

  • Wenden Sie Flattersatz eher für kürzere Texte als für lange Magazintexte an, da diese Satzart leichter und lebendiger wirkt.
  • Achten Sie im Idealfall auf einen abwechslungsreichen Zeilenfall nach dem Prinzip: Kurz – Lang – Mittellang – Lang – Kurz – Mittellang …, usw.
  • Prominente Texte wie Vorspanntexte benötigen nach diesem Prinzip besondere Aufmerksamkeit und müssen in der Regel manuell nachgearbeitet werden.
  • Worttrennungen im Flattersatz sind durchaus erlaubt. Achten Sie dabei aber auf sinnvolle Silbentrennungen mit dem „bedingten Trennstrich“.
  • Achten Sie darauf, dass der Umbruch bei größeren Textzeilen möglichst nach einem Satzzeichen (Gedankenstrich, Komma oder Punkt) erfolgt.
  • Es gilt die Regel: sinnvolle Worttrennungen erfolgen vor abwechslungsreichem Zeilenfall.

Noch mehr Praxis-Know-how

Wenn Sie wissen wollen, welche Programm-Einstellungen in Adobe InDesign zur Verbesserung des typografischen Satzbildes führen oder welche Silbentrennungen und Absatzsetzer ich empfehle, dann freue ich mich, wenn Sie meinen »Profi-Workshop zu Typografie und Layout« oder den Workshop »Detailtypografie zur Vertiefung« besuchen.

2 Comments

  • Horst Kuntze sagt:

    „Dieser bewirkt, daß keine Neuumbrüche im Satz entstehen, wenn Sie ein Wort oder eine Silbe manuell trennen.“

    Auf keinen Fall sollte man „manuell“ trennen, denn dann wird ein Trennstrich in den Text eingefügt, der bei verändertem Text drin bleibt. Darum immer mit „bedingtem“ Trennstrich arbeiten.
    Und eine Silbe zu trennen, scheint mir doch – nun ja – ungewöhnlich.

    • Jo, jo, ist richtig.
      Damit beim Trennen und Umbrechen von Wörtern keine Neuumbrüche im Satz entstehen, muß im Flattersatz der Ein-Zeilensetzer ausgewählt werden. Wörter in Texten können manuell umbrochen werden, Silbentrennungen in Absatztexten nur mit dem bedingten Trennstrich, damit bei der Rückführung von Trennungen nicht ein Divis stehen bleibt.

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