Am Wochenende war es mal wieder Zeit für den Frühjahrsputz auf meinem Rechner (mache ich jedes Jahr). Dabei finden sich immer allerlei Bilder und Geschichten, die man so schnell nicht vergessen möchte. Diesmal habe ich einige Bilder aus meiner Berufsausbildung als Schriftsetzer im Bleisatz entdeckt. Die Fotos entstanden 1975 und zeigen meine ersten Monate in einem Handwerk, das mich für den Rest meines Lebens begleiten und prägen sollte.

Ein junger Uwe Steinacker als Schriftsetzer im 2. Lehrjahr vor dem Setzkasten nach DIN 16 518 (DIN 16 518 regelt das in Deutschland gebräuchliche Klassifizierungssystem von Schriftarten).
Zum Thema Setzkasten: Eine gute Akzidenz-Setzerei wollte in der damaligen Zeit beispielsweise aus neun Schriftgruppen circa 50 verschiedene Schriftarten anbieten. Im Idealfall hatte die Setzerei drei bis sechs Schriftschnitte in den Graden von 6 bis 48 Punkt im Angebot – und damit hunderte von Setzkästen wie abgebildet. Hinzu kamen weitere Materialien wie Linien, Symbole, Regletten für den Durchschuß (Zeilenabstand) oder Blindmaterial für das Ausschließen von Textzeilen im Block- und Flattersatz.

Hier ein Ausschnitt aus dem Setzkasten. Kaum vorstellbar: Jeder Setzkasten enthält nur eine einzige Schriftgröße einer einzigen Schriftart!
Im ersten Lehrjahr lernte ich außerdem eine neue Tierart kennen, die Bleiläuse. Ältere Setzer übergossen den Bleisatz mit Wasser, um das Ungeziefer aus den winzigen Ritzen hervorzulocken. Ging nun der Unerfahrene (zum Beispiel ich) zu nah an den Satz heran, um diese Tierchen näher zu studieren, quetschte der Kollege den Bleisatz schlagartig zusammen. Das eklige Resultat: Die Bleiläuse und Wasserspritzer schossen dem Pechvogel mit großer Wucht ins Gesicht (davon gibt es zum Glück kein Bild).
Auf den folgenden Bildern sehen Sie die (Setzer)Lehrlinge bei der Arbeit. Mit strengem Auge wacht der Metteur (der Schriftsetzer, der aus gesetzten Texten die Seiten für den Druck gestaltet), dass Umbruch und Reihenfolge der Satzspalten richtig angeordnet werden.

Die Schriftsetzer-Lehrlinge in der Setzerei beim Umbruch von Maschinensatz.

Nahaufnahme einer händisch gesetzten Meisterleistung 😉