Mikrotypografie: Schriften auszeichnen – mehrsprachige Texte typografisch korrekt hervorheben

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  • 10. Mai 2017
Fremdsprachensatz typografisch korrekt auszeichnen

In der Schriftklassifikation nach DIN 16518 ist der Begriff der Schriftenklasse XI „Fremde Schriften“ seit einiger Zeit überholt. Die Klasse heißt jetzt „Schriften anderer Kulturkreise“. In Sachen „Political Correctness“ mag das der eine oder andere vielleicht etwas übertrieben finden. Doch es zeigt, dass man auch in der Typografie in so manches Fettnäpfchen treten kann – zum Beispiel in der Auszeichnung von Texten. Wieso, weshalb, warum und wie Sie sich typografisch-politisch korrekt verhalten, darum geht es in diesem Blogbeitrag.

Unbeabsichtigte Wertung durch Auszeichnungen
Nehmen wir mal an, Sie gestalten eine Unternehmensbroschüre in drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch. Um die drei Sprachen voneinander abzugrenzen, zeichnen Sie die Texte unterschiedlich aus – in Regular, Bold und Italic. Durch die Auszeichnungen kann es zu einer „unbeabsichtigten Wertung“ kommen, weil sie zum Beispiel von Lesern anderer Nationen falsch verstanden werden, was vom Absender natürlich nicht gewollt ist. In meinen beiden Workshops zu den Themen Typografie und Layouttechnik sowie Detailtypografie im Kommunikationsdesign kommt deshalb regelmäßig die Frage auf, wie man sich bei der Kennzeichnung von Texten verschiedener Sprachen typografisch korrekt verhält. Statt die Deutschen „normal“, die Briten „fett“ und die Franzosen „schräg“ zu machen wie im folgenden Beispielen, empfehle ich zwei Alternativen.

Keine gute Lösung: Fremdsprachensatz in Regular, Bold und Italic auszeichnen.
Alternative #1: Auszeichnung von Text in einer Corporate Color
Das Beispiel unten zeigt den goldenen Mittelweg, nämlich eine Auszeichnung in einer Corporate Color, die abwechselnd angewendet wird. Das sorgt für Spannung im Layout, ohne „wertend“ zu sein. Wenn Sie die Textblöcke in Schwarz einfach nur nebeneinander stellen, geht die Orientierung zwar ebenfalls nicht verloren. Das Layout läuft jedoch Gefahr, monoton auszusehen. Das Beispiel oben, ein Ausschnitt aus dem Buch „Porsche Sounds“ von Dieter Landenberger, geht ebenfalls sehr geschickt mit einer zweiten Farbe um.
Fremdsprachensatz typografisch korrekt auszeichnen mit Farben
Alternative #2: Kennzeichnung von Text durch Orientierungsmarken
Bei Verkaufsverpackungen oder Gebrauchsanweisungen, die häufig mit mehr als sechs verschiedenen Sprachen versehen werden, geben Landeskennzeichnungen eine gute Orientierung. Die Orientierungsmarken können Sie zusätzlich in einer Corporate Color auszeichnen. In der Reihenfolge halte ich mich in der Regel entweder an die Verbreitung der jeweiligen Sprachen. Bei mehr als sechs Sprachen sortiere ich nach dem Alphabet.
Fremdsprachensatz typografisch korrekt auszeichnen mit Länderkennzeichen
Farbliche Hervorhebung in Printobjekten
Hier ein paar sehr schöne Beispiele aus dem Corporate Design einer Hotelkette, die kreativ mit einer Corporate Color zur Auszeichnung des zweisprachigen Textes umgeht:
Zusammenfassung: Text anderer Sprachen typografisch richtig auszeichnen

  • Mehrsprachige Texte sollten nicht mit den Möglichkeiten einer Schriftfamilie, zum Beispiel Regular, Bold oder Italic, ausgezeichnet werden, da sie als „wertend“ missverstanden werden können
  • Werden mehrsprachige Texte in Broschüren gar nicht ausgezeichnet, sollten diese in Blöcken nebeneinander stehen
  • Fortlaufende mehrsprachige Texte können Sie wechselnd in einer Farbe – zum Beispiel einer Corporate Color – auszeichnen. Das Layout wirkt dadurch oft spannender
  • Texte in vielen anderen Sprachen – zum Beispiel für Verkaufsverpackungen oder Gebrauchsanweisungen – können zur besseren Orientierung mit Länderkennzeichen versehen werden
  • Die Reihenfolge der Texte anderer Sprachen sollte bei einer deutschen Publikation nach Deutsch in der Häufigkeit der gesprochenen Sprache erfolgen, oder ab 6 Sprachen alphabetisch

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