
Im Format “App der Woche” stellt Kommunikationsdesignerin Annika Lyndgrun wöchentlich gelungene Tablet-Magazine vor.
Vorteile des Screen-Designs nutzen
Dass aber zum Beispiel die Texte für eine Tablet-Version bearbeitet, also zum Beispiel gekürzt werden sollten, habe ich bei deutschen Publikationen noch nicht gesehen. Schade, denn das ermüdet den Leser ziemlich schnell. Auch bei sehr hoch aufgelösten Displays ist die Lesefreundlichkeit immer noch eingeschränkter als bei bedrucktem Papier.
Digitale Magazine müssen statt viel Text verschiedene, zweckorientierte interaktive Inhalte mitbringen. Anders als bei Print-Versionen konsumiert der Leser nicht einfach, sondern kann aktiv am Geschehen teilnehmen, zum Beispiel durch Kommentare und eigene Bilder, die Teil des Magazins werden.
Die App der Woche
Wir sollten uns deshalb tiefergehend damit auseinandersetzen, was genau die Print- und Tablet-Medien voneinander unterscheidet. Dafür stelle ich ab sofort einmal wöchentlich eine gelungene App vor und – wenn vorhanden – ihr Pendant in Druckform. Den Anfang macht das Print- und Tablet-Reisemagazin Merian.
App der Woche #1: Das Reisemagazin Merian
Merian erscheint monatlich als Print- und Tablet-Version. Als erstes ist mir aufgefallen, dass die digitale Version eine andere Schrift benutzt als die Printausgabe. Während das Printlayout mit der etwas trockenen Trade Gothic in der Headline und der guten alten Baskerville als Fließtextschrift auskommt, wurde in der Tablet-Ausgabe eine Verjüngung versucht: In den Headline stolziert die florale Museo, als Copy-Schrift eine magere Serifenlose, die ich zwar nicht erkenne, aber mich etwas an die Interstate erinnert. Die kommt mir als Arbeitspferd für Mengentexte auf dem Tablet etwas zu zerbrechlich vor. Auch die Zeichenabstände sind für den dünnen Schriftschnitt meiner Meinung nach zu gering.
Tablet-Version punktet bei Bildern
Die Stärke des Magazins liegt vor allem in den Bildern. In der App-Version haben die Gestalter ihnen besonders viel Raum gelassen, indem sie das Querformat vollständig den Bildern gewidmet haben. Ebenfalls von Vorteil ist, dass die Bilder im Vergleich zur Printausgabe auf dem Display natürlich brillanter wirken. Bilder im Hochformat hingegen werden eher eingesetzt, um den Artikeltexten einen Rhythmus zu verleihen.
Business as usual
Darüber hinaus bietet das etablierte Reisemagazin (wie viele digitale Magazine) die typischen Mehrwert-Merkmale wie Videos und Verlinkungen. Es wird vor allem viel mit Hot-Spots gearbeitet und wenig mit anderen interaktiven Möglichkeiten. Das ist auf der einen Seite vornehm zurückhaltend, auf der anderen Seite etwas monoton. Gut möglich, dass das jedoch für die wahrscheinlich ältere Zielgruppe richtig ist. Wenn man gerade erst mit dem Lesen von Tablet-Magazinen beginnt, findet man hier sehr leichten Zugang.
Bildergalerie: Tablet- und Printausgabe der Merian im Vergleich

