„Richtig aufgeführt …“ – Anführungszeichen in der Typografie

  • 10
  • 19. März 2015
Anführungszeichen Titelbild

In meinen PraxisWorkshops zur Vertiefungstypografie kommt immer schnell die Frage nach der richtigen Verwendung von Anführungszeichen auf. In der Tat werden Anführungszeichen leider häufig falsch gesetzt. Vor allem, wenn in Imagebroschüren oder Verkaufsverpackungen Fremdsprachensatz zum Einsatz kommt, entstehen Verwirrungen und Unklarheiten. Im Folgenden möchte ich Ihnen deshalb einen Leitfaden zur Verwendung von Anführungszeichen geben.

Wann verwenden wir Anführungszeichen?

Der Gebrauch von Anführungszeichen zur Kennzeichnung von Zitaten ist schon seit der Antike geläufig. In der Lesetypografie verwenden wir heute Anführungszeichen …

– zur optische Auszeichnung von direkter Rede und Zitaten
– und zur Hervorhebung von Wortteilen, Wörtern oder Satzteilen.

Dabei sind grundsätzlich folgende Regeln zu beachten:

– Anführungszeichen stehen vor und nach dem ausgezeichneten Wort oder der Textpassage.
– Wird in eine Anführung eine andere Anführung eingeschoben, so erhält diese ein halbes Anführungszeichen (zum Beispiel Zitat im Zitat).
– Das Anführungszeichen steht am Satzende immer nach einem Satzzeichen, zum Beispiel Punkt oder Fragezeichen.

Auf keinen Fall!
Auf vielen älteren Tastaturen befindet sich im Bereich der Ziffern ein Zeichen, das häufig als Anführungszeichen missbraucht wird und sich in der Lesetypografie schmerzlich als solches eingenistet hat. Hier handelt es sich aber um das amerikanische Zoll-Zeichen, das nur für Größenangaben verwendet werden darf.

Anführungszeichen gegen Zollzeichen
Deutsche Anführungszeichen (auch „Gänsefüßchen“ genannt)
Gänsefüßchen werden am häufigsten in der Lesetypografie verwendet. Dabei gilt die einfache Regel: 99 unten, oben 66. Beispiel: „Das Anführungszeichen am Satzende steht immer nach dem abschließenden Satzzeichen!“

Anführungszeichen richtig setzen
Deutsche Anführungszeichen – Weitere Anwendungsbeispiele

Anführungszeichen Beispiele
Französische Anführungszeichen (auch „Guillemets“ genannt)

Guillemets gelten als die eleganteren Anführungszeichen und können ebenso wie die deutschen Anführungszeichen in der Lesetypografie verwendet werden. In der Regel werden sie nach innen zeigend verwendet. Besonders geeignet sind »Guillemets« zur typografischen Auszeichnung oder Hervorhebung von Headlines oder Titeln.

Anführungszeichen in französischer Textsprache
Anführungszeichen im Fremdsprachensatz

Wer schon mal eine Verkaufsverpackung mit 16 verschiedenen Sprachen gesetzt hat, der weiß eine Glyphentabelle zu schätzen. Aber welche Besonderheiten gelten für primäre und sekundäre Anführungen in Englisch, Finnisch oder gar Afrikaans? Eine gute Übersicht dazu bietet der Wikipedia-Artikel zum Thema Anführungszeichen im Kapitel 5.5 Andere Sprachen.

Anführungszeichen in Fremdsprachen
Wie Sie die Anführungszeichen finden

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Anführungszeichen zu finden und einzufügen:

1. Im Layoutprogramm Adobe InDesign

Anführungszeichen in InDesign

Anführungszeichen in InDesign setzen
2. Über die Schreibtastatur Ihres Computers

Anführungszeichen Tastatur Shortcuts

Mein Typo-Assistent Zitzero

Wenn Sie Anführungszeichen verwenden:

  • Deutsche Anführungszeichen sind in der Lesetypografie mit umfangreichen Texten wie Zeitschriften und Büchern am gebräuchlichsten.
  • Französische Anführungszeichen sind eleganter und in Verbindung mit verschachtelten Zitaten wie Apostroph, Komma und einfachen Anführungszeichen übersichtlicher.
  • Französische Anführungszeichen wirken typografisch schön zur Hervorhebung von Zitaten oder Titeln.
  • Anführungszeichen im Satz anderer Sprachen (frühere Bezeichnung Fremdsprachensatz) sollten bei unsicherer Anwendung von einem Lektorat überprüft werden.
  • Anführungszeichen im Blocksatz sollten zwecks schönerer Achsenbildung in InDesign mit der Option „Optischer Randausgleich“ angewendet werden.

Leave a Reply


*