Interview zu Tablet-Apps und Digital Publishing: „Mobilität beginnt auf der Couch“

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  • 31. August 2015
Bild aus dem Digital Publishing Workshop von TypeSCHOOL

Der Konsum von Text, Bild und Video ist heute viel interaktiver als früher. Tablets und Smartphones machen’s möglich: Blättern war gestern, heute wird gewischt, gedrückt und gepincht. Für Designer stellt sich die Herausforderung, für das neue Interaktionsverhalten der Leser/Zuschauer ansprechend und funktional zu gestalten. Im TypeSCHOOL-Workshop „Professionelles Digital Publishing für eine interaktive Tablet-App“ zeigen Annika Lyndgrun und ich, wie’s geht – als einer der ersten Workshop-Anbieter überhaupt. Entsprechend freuen wir uns, dass der AGD – über den wir den Workshop ebenfalls anbieten – sich intensiver mit uns über das Thema unterhalten wollte. Hier ein Auszug aus dem Interview:

AGD: Was ist für den Betrachter das besondere Reizvolle, das eine gut gemachte Internetseite nicht auch bieten würde?

Uwe Steinacker: Der ganz große Vorteil beim Digital Publishing ist natürlich der Spaßfaktor, der durch ein neues Leseerlebnis entsteht: der Leser beeinflusst – ohne Maus und Kabel – allein mit Wischgesten den Inhalt. Das ist eine sehr unmittelbare Kommunikation mit dem Gerät. Ein weiterer Aspekt ist, dass Mobilität heute auf der Couch beginnt. So kann man mit dem iPad interaktiv „verreisen“, sich beruflich weiterbilden oder soziale Netzwerke pflegen.

Vertriebstechnisch bietet es die Möglichkeit, weltweit Informationen schneller zu aktualisieren und mit sehr präzisen Analyse-Tools mehr über das Lese- und Kaufverhalten zu erfahren. Nicht zu vergessen: Digital Publishing bietet eine enorme Anschubkraft für Werbung und Verkaufsförderung: Der Nutzer kann die Inhalte selbst auswählen und erschließen. So identifiziert er sich stärker mit der angebotenen Dienstleistung oder dem beworbenen Produkt.

AGD: Womit machen die Herausgeber ihren Gewinn? Die meisten Magazine sind „Schwestern“ von Printprodukten, enthalten aber oft keine Anzeigen. Etliche eigenständige, phantastische und kostenfreie Tablet-Magazine haben ebenfalls wenig Werbung. Manche Titel verschwinden auch nach einigen Ausgaben wieder vom Markt. Gibt es Genres, in denen der Vertrieb besonders gut läuft?

Annika Lyndgrun: Von riesigen unmittelbaren Umsätze durch Tablet-Publikationen habe ich bisher noch nicht gehört. Bei vielen Projekten ist der kurzfristige Gewinn gar nicht so wichtig, sondern es soll langfristig eine neue Zielgruppe mit dem Tablet erreicht werden. So etwas dauert immer länger als kurzfristig für Abverkäufe zu sorgen. Für Unternehmen, die von technischen oder kreativen Innovationen leben, ist die Tablet-Publikation für das – schwer in Zahlen zu messende – Markenimage wichtig.

Mittlerweile kennt man auch einige Fehler, die dazu führen, dass die Reise nach ein paar Ausgaben zu Ende ist. Zum Beispiel sollte man den Lesern der App-Ausgabe immer Bonusmaterial wie exklusive Downloads oder zusätzliche Videos anbieten. Dieser Mehrwert wird schlicht erwartet. Am besten gibt man zusätzlich noch die Printversion als einfaches PDF mit.

Es stimmt allerdings, dass die Marketing-Abteilungen in Deutschland erst langsam auf den Geschmack kommen, Anzeigen in Tablet-Ausgaben zu schalten. Aber die Tendenz steigt und es ist ja auch sehr attraktiv, weil man wie bei Online-Werbung das Nutzerverhalten sehr gut analysieren kann. Vor allem im Tourismus-Sektor ist man für dieses Thema sehr offen. Letztens habe ich ein Reise-Magazin als App gelesen, das nach jedem zweiten Artikel eine Anzeige hatte. Das war aber schon fast zu viel des Guten.

Das vollständige Interview lesen Sie auf der Website des Allianz deutscher Designer e.V. (AGD).

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