Bleisatz und Buchdruck wie Gutenberg: Foto-Fundstücke aus meiner Schriftsetzer-Lehre

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  • 15. April 2015

Am Wochenende war es mal wieder Zeit für den Frühjahrsputz auf meinem Rechner (mache ich jedes Jahr). Dabei finden sich immer allerlei Bilder und Geschichten, die man so schnell nicht vergessen möchte. Diesmal habe ich einige Bilder aus meiner Berufsausbildung als Schriftsetzer im Bleisatz entdeckt. Die Fotos entstanden 1975 und zeigen meine ersten Kniffe in einem Handwerk, das mich für den Rest meines Lebens begleiten und prägen sollte (ganz aktuell natürlich in meinem Workshop Bleisatz und Buchdruck zu Zeiten Gutenbergs in Dresden). Ach, wie schnell die Zeit vergeht.

Uwe Steinacker in seiner Schriftsetzer-Lehre

Ein junger Uwe Steinacker als Schriftsetzer im 2. Lehrjahr vor dem Setzkasten nach DIN 16 518 (DIN 16 518 regelt das in Deutschland gebräuchliche Klassifizierungssystem von Schriftarten).


Zum Thema Setzkasten: Eine gute Akzidenz-Setzerei wollte in der damaligen Zeit beispielsweise aus neun Schriftgruppen circa 50 verschiedene Schriftarten anbieten. Im Idealfall hatte die Setzerei drei bis fünf Schriftschnitte in den Größen von 6 bis 18 Punkt im Angebot – und damit rund 1.500 Setzkästen im Lager (und eine ganze Menge Kilos zu schleppen)!
Ein Setzkasten mit Bleilettern im Bleisatzhandwerk

Hier ein Ausschnitt aus dem Setzkasten. Kaum vorstellbar: Jeder Setzkasten enthält nur eine einzige Schriftgröße einer einzigen Schriftart!

Im ersten Lehrjahr lernte ich außerdem eine neue Tierart kennen, die Bleiläuse. Ältere Setzer übergossen den Bleisatz mit Wasser, um das Ungeziefer aus den winzigen Ritzen hervorzulocken. Ging nun der Unerfahrene (zum Beispiel ich) zu nah an den Satz heran, um diese Tierchen näher zu studieren, quetschte der Kollege den Bleisatz schlagartig zusammen. Das eklige Resultat: Die Bleiläuse und Wasserspritzer schossen dem Pechvogel mit großer Wucht ins Gesicht (davon gibt es zum Glück kein Bild).
Zurück zu den schönen Erfahrungen meiner Jugend: Auf den folgenden Bildern sehen Sie die (Setzer)Lehrlinge bei der Arbeit. Mit strengem Auge wacht der Metteur (der Schriftsetzer, der aus gesetzten Texten die Seiten für den Druck gestaltet), dass Umbruch und Reihenfolge der Satzspalten richtig angeordnet werden.
Schriftsetzer-Lehrlinge bei der Arbeit

Die Schriftsetzer-Lehrlinge in der Setzerei beim Umbruch von Maschinensatz.

Gesetzter Text im Bleisatzhandwerk

Nahaufnahme einer händisch gesetzten Meisterleistung ;)

Zu guter Letzt noch zwei aktuelle Bilder aus der Offizin Haag-Drugulin, in der ich den Workshop Bleisetzen und Buchdrucken wie Gutenberg: Der exklusive 3-Tages-Workshop im barocken Dresden veranstalte.
Winkelhaken mit Bleilettern

Ein Winkelhaken mit einer Bleisatzzeile (können Sie den Text lesen?) der auf Holzlettern abgelegt wurde (Holzlettern werden benutzt, um sehr große Schriftschnitte zu drucken, zum Beispiel bei Plakaten).

Arbeitsplatz eines Schriftsetzers

Der typische Arbeitsplatz eines Setzers: Links der Setzkasten mit Bleilettern, daneben das Setzschiff mit den gesammelten Textzeilen. Darüber eine typische Holzkiste mit der Kolumnenschnur. Sie wird zum Ausbinden des Satzes verwendet, bevor er zum Korrekturabzug in die Handpresse gelangt.

Wenn Sie selbst einmal Lust haben, in einer Setzerei zu drucken, möchte ich Sie an dieser Stelle ganz herzlich nach Dresden einladen. Dort veranstalte ich im Sommer und Winter dieses Jahres den Workshop Bleisetzen und Buchdrucken wie Gutenberg in der Offizin Haag-Drugulin. Weitere Infos finden Sie auf der entsprechenden Workshop-Seite.

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