Auf den Strich gekommen: Typografische Striche richtig einsetzen

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  • 8. Januar 2015

Bindestrich und Gedankenstrich sind in der Typografie neben den Anführungs- und Leerzeichen die am häufigsten falsch angewendeten Satz- oder Wortzeichen. Daneben gibt es noch Trennungsstriche, Geviertstriche und Unterstriche, die sich in Einsatz und Schreibweise voneinander unterscheiden. Mit dem folgenden Text möchte ich einen Überblick geben über die wichtigsten Schreibweisen typografischer Striche und anhand von Beispielen ein wenig Licht ins Dunkle bringen.

Striche als Wortzeichen, die am häufigsten in unserer Sprache vorkommen, sind folgend einmal vergrößert und maßstabsgetreu abgebildet und zeigen die unterschiedlichen Längen.

Übersicht typografischer Striche


Der Trennungsstrich

Auch Divis genannt (lat: divisum, das Geteilte).
In dieser Bezeichnung ist er den früheren Schriftsetzern des Bleisatzhandwerks bekannt. Er entsteht ganz automatisch, wenn ein Wort am Ende einer Zeile durch die Silbentrennung getrennt wird. Er hat die gleiche Länge wie ein Bindestrich. Dabei spielen Satzarten wie Flattersatz oder Blocksatz keine Rolle. Lediglich beim Blocksatz empfehle ich, bei Worttrennungen im Layout-Programm den „Optischen Randausgleich“ vorzunehmen, um einen ausgeglichenen Blocksatzrand zu erhalten.

Der optische Randausgleich sorgt für einen ausgeglichenen Blocksatz.


Der Bindestrich

Er wird verwendet als Ergänzungsstrich, Kopplungsstrich oder bei Zusammensetzungen von Wörtern und Ziffern. Ein Bindestrich wird typografisch übrigens nie mit einem Leerzeichen versehen.

Der Bindestrich als Ergänzungsstrich:
Der Bindestrich als Ergänzungsstrich.
Der Bindestrich als Kopplungsstrich, richtig und falsch eingesetzt:
Der Bindestrich als Kopplungsstrich, richtig und falsch eingesetzt.
Der Bindestrich eignet sich auch für Sinntrennungen, Zusammensetzungen und Abtrennungen:
Der Bindestrich eignet sich auch für Sinntrennungen, Zusammensetzungen und Abtrennungen.


Der Gedankenstrich

Er wird zur Abtrennung oder Kennzeichnung eines Gedankens verwendet. Oft wird er im Text zur Kennzeichnung einer Denkpause angewendet. Dabei werden im Lesetext Leerzeichen vor und nach dem Gedankenstrich grundsätzlich gesetzt.
Der Gedankenstrich als Denkpause und in Gruppen mit Wörtern:
Weitere Einsatzmöglichkeiten des Gedankenstrichs.
Weitere Einsatzmöglichkeiten des Gedankenstrichs:
Der Gedankenstrich als Denkpause und in Gruppen mit Wörtern.


Der Geviertstrich

Ich erachte den Geviertstrich als ein überaus praktisches Zeichen. Da ich das Vergnügen habe, für einen internationalen Konzern aus der Metallindustrie unter anderem kilometerlange Tabellen setzen zu dürfen, verwende ich den Geviertstrich als Platzhalter für Leerzahlen. Da der Geviertstrich die Breite von zwei Zahlen hat, wirkt eine Tabelle mit dieser Anwendung weniger leer und löchrig. Bei vier- oder mehrstelligen Zahlenangaben setze ich den Geviertstrich übrigens immer rechtsbündig und nicht, wie oft zu sehen, mittig.
Der Geviertstrich in offenen Tabellen:
Der Geviertstrich in offenen Tabellen.


Der Unterstrich

Den Unterstrich trifft man heute häufiger in der Typografie an als früher. Sei es zur Verwendung als neumodisches Typosignal oder auch als Variante einer gender-sensiblen Schreibweise. Auf jeden Fall kommt er ursprünglich aus der Programmiersprache C und wird – im Gegensatz zum Trennstrich als trennendes Element – als ein verbindendes Element verwendet.

Ich selber nutze den Unterstrich zur Bezeichnung von Ordnern und Dateien auf meinem Rechner seit ich einmal bei einer Datenrückführung eine dicke Fehlermeldung bekam, die vermutlich durch die Schreibweise mit einem Trennstrich entstanden war.
Einsatzmöglichkeiten des Unterstrichs:
Einsatzmöglichkeiten des Unterstrichs.


Tipps und Tricks beim Verwenden von Bindestrich und Gedankenstrich

Mein Typo-Assistent Zitzero

Wenn Sie Bindestrich und Gedankenstrich anwenden:

  • Bindestrich und Gedankenstrich kommen in der Sprache häufig vor. Deshalb finden Sie diese Satzzeichen auch direkt auf der Tastatur und müssen sie nicht in der Glyphentabelle suchen.
  • Der Bindestrich soll – wie der Name vermuten lässt – verbinden. Er wird niemals mit einem Leerzeichen versehen.
  • Der Gedankenstrich – immer länger als der Bindestrich – wird in der Lesetypografie verwendet, um eine Denkpause beziehungsweise einen gedanklichen Einschub zu ermöglichen. Deshalb wird der Gedankenstrich stets davor und dahinter mit einem Leerzeichen versehen.
  • In Verbindung mit Zahlen, zum Beispiel Schreibweisen für Öffnungszeiten, verwendet man den Gedankenstrich zur besseren Lesbarkeit; jedoch immer ohne Leerzeichen.

4 Comments

  • Katja Maier sagt:

    Hallo Uwe,
    ich sitze gerade an einer Präsentation, die ich mal weitestgehend typografisch einwandfrei gestalten möchte. Nun verwende ich in einem Text mit Aufzählungen Spiegelstriche und weiss nun nicht, welche ich dafür nehmen soll: den kurzen Bindestrich oder den langen Gedankenstrich? Danke.

    • Hallo Katja,
      Danke für deine Anfrage.
      In der Tat verwendet man Spiegelstriche für Textaufzählungen, wobei ein mittelstehender Punkt oder ein Quadrat gebrächlicher sind, da sie den aufzuzählenden Text deutlicher markieren.
      Aus diesem Grunde empfehle ich also den langen Gedankenstrich als Spiegelstrich mit einem normalen Leerzeichen vor dem nachfolgenden Wort oder Satz.
      – das ist ein Blindtext
      – der hier später ersetzt wird
      – und eine Aufzählung darstellen soll
      Viel Spass und Erfolg bei deiner Präsentation

  • Wolfgang Wüstemann sagt:

    Hallo Kollegen,
    ich habe folgende Frage. Wie wird ein Divis gesetzt bei zusammengesetzten Wörtern am Zeilenende? Beispiel:

    Variante 1
    Friedrich-August-
    Straße

    Variante 2
    Friedrich-August–
    Straße

    Welche Variante ist richtig??
    Beste Grüße
    Wolfgang Wüstemann

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