Am Rande bemerkt: Marginalien in der Typografie und wie man sie im Layout richtig anwendet

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  • 8. Mai 2015
Einsatz von Marginalien in einem alten Schritstück

Marginalsatz ist eine der schönsten gestalterischen Formen in der Typografie und dabei vielseitig und kreativ im Layout einsetzbar. Was Marginalien sind, wo ihre Ursprünge liegen, welche Wirkung sie in einem Layout haben und vor allem wie man sie in InDesign richtig anwendet – damit beschäftige ich mich in diesem Blogeintrag.

Was ist Marginalsatz?
Marginalsatz oder Marginalien haben – wie vieles in der Typografie – eine lange Tradition. Natürlich kommt der Begriff aus dem Lateinischen und bedeutet: margo = Rand; marginalis = zum Rand gehörig. Vereinfacht gesagt sind Marginalien Bemerkungen oder Informationen zum Text, die an den Rand gesetzt sind. Dabei ist es nicht immer ganz eindeutig, ob es sich bei Marginalien um Bildtexte, Texteinleitungen, Zwischenüberschriften oder Texte der 2. Informationsebene, wie beispielsweise Fußnoten, handelt. Dabei können Marginaltexte auch Randinfos sein, die nicht direkt etwas mit dem Grundtext zu tun haben. Auch habe ich schon Kombinationen von Text und Bild als Marginalien angewendet. Das kann sehr gut aussehen und sinnvoll sein in der Organisation von Informationen auf einer Seite.

Tradition aus Klosterschreibstuben
Marginalien sind bereits seit dem 10. Jahrhundert bekannt. Oft wurden geistliche und religiöse Schriften von den Klöstern zur Abschrift in Auftrag gegeben. Dabei sah man bei der Anfertigung der Schriften (Inkunabel und auch Kodex) breite Randspalten an den Außenrändern vor. Sie dienten weniger dazu, das Schriftbild beim Blättern der Seiten zu schützen, sondern vielmehr für nachträgliche handschriftliche Einträge. Jeder Abt eines Klosters behielt sich nämlich vor, die heilige Schrift nach seiner Auffassung oder Auslegung anders zu interpretieren. Und das konnte man am einfachsten auf den breit angelegten äußeren Randspalten.
Organisation von Information
Im Corporate Design sehen Marginalien heute nicht nur schön aus. Für mich ergeben sie häufig Sinn bei der Organisation von Informationen. Richtig angewendet können sie die Botschaft einer Magazin- oder Buchseite deutlich verbessern.
Hier ein paar Beispiele, wie Marginalien eingesetzt werden können:
Sicherlich haben Sie auch ein paar schöne Beispiele zu Marginalien. Senden Sie mir diese gerne zu!
Marginalien in der InDesign-Anwendung
Im Folgenden möchte ich Ihnen noch ein paar Tipps dazu geben, wie Sie Marginalien in InDesign richtig einsetzen.
Layout
Marginalien sind eine typografische Form. Deshalb sollte man sie für meinen Geschmack anders behandeln als den Grundtext. In der Layoutanwendung gehören Marginalien nicht unbedingt in den Satzspiegel, sie sollten in der Regel an den äußeren Seitenrändern stehen. Achten Sie darauf, genügend großen Raum einzuplanen, wenn Sie den Satzspiegel oder das Gestaltungsraster für eine Doppelseite einrichten.
Schriftart
Mut zum Anderssein: Marginalien sollten nicht die gleiche Schriftgröße oder Schriftart haben wie die Grundschrift. Trauen Sie sich, Schriften zu mischen oder auszuzeichnen! Auch kann die Schriftgröße gegenüber der Grundschrift deutlich kleiner oder auch größer sein.
Satzart
Da die Spaltenbreite einer Marginalie deutlich kleiner sein sollte als die der Grundschrift, sollten Marginalien der besseren Lesbarkeit wegen eher als Flattersatz gesetzt werden – egal, ob die Grundschrift in Blocksatz oder Flattersatz ausgezeichnet ist.
Grundlinienraster
Marginalien müssen nicht zwingend in das Grundlinienraster eingebunden werden. Jedoch sollte die erste Zeile stets auf der Grundlinie stehen und mit der ersten Zeile des Grundtextes registerhaltig sein. Wenn die Marginalie in einer kleineren Schriftgröße als die Grundschrift gesetzt wird, können die Zeilenabstände auch alignieren, d. h. der kleinere Zeilenabstand wird alle paar Zeilen mit denen der Grundschrift in der Spalte registerhaltig sein. Hier ein Beispiel dazu:
Marginalien anwenden in Typografie und Layout

Zeilenabstände im Grundlinienraster, die alignieren: Der Zeilenabstand im Grundlinienraster beträgt 14 Punkt. Der Zeilenabstand der Marginalie beträgt 21 Punkt und ist nicht im Grundlinienraster eingebunden. Jede vierte Zeile der Marginalien aligniert dann mit der Grundlinie der Grundschrift (Markierung rechts).

Wie immer hat auch mein Typo-Assistent Zitzero noch ein paar Tipps zum Thema Marginalien:
Mein Typo-Assistent Zitzero
Wenn Sie mit Marginalien arbeiten:
  • Marginalien strukturieren die Kommunikation einer Seite und können angewendet werden als Textvorspann, Zwischenüberschrift, Bildunterschrift oder zusätzliche Randinfo.
  • Marginalien gehören nicht unbedingt in den Satzspiegel; benötigen aber eine große Randspalte.
  • Marginaltexte stehen in aller Regel an den Außenrändern einer Seite und sind kleiner als die normale Satzbreite der Grundschrift.
  • Marginaltexte können sich typografisch in der Schriftmischung oder Schriftauszeichnung von der Grundschrift unterscheiden.
  • Sie müssen nicht in das Grundlinienraster eingebunden werden; die erste Zeile sollte aber registerhaltig sein.

Bildquelle Aufmacherfoto:
Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Codex 179(482), p. 9 – Gregorii epistolae; Boethius (http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/sbe/0179)

Ein Hinweis für alle Praxisanwender von InDesign: Wenn Sie gerne Ihre typografischen Kenntnisse in der Praxis vertiefen möchten, freue ich mich, Sie in meinem Workshop Typografie und Layout im Kommunikationsdesign zur Vertiefung zu begrüßen.

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